Zu Weihnachten habe ich ein Buch geschenkt bekommen. Ein Mama-Mutmach-Buch, für/über das erste Jahr als Mutter. Anfangs dachte ich, dass das einfach nur eine witzige Idee sei. Dann habe ich ein bisschen darin rumgeblättert und mich angesprochen gefühlt. Warte noch einen Moment, das wird jetzt hier keine Buchrezession. Eher ein kleiner Seelenstriptease.

In einem Kapitel heißt es nämlich, dass Studien gezeigt haben, dass eine Frau sechs Monate benötigt um sich auf ihre Rolle als Mutter einzulassen und dieses anzunehmen. Junior ist jetzt sechs Monate alt. Und ich bin noch so überhaupt nicht in meiner neuen Rolle angekommen.

Ab wann fühlt man sich als Mama?

Einen Teil von mir macht das Sorgen. Ein anderer Teil von mir denkt sich, dass solche Geschichten wie unsere wahrscheinlich nicht in solchen Studien berücksichtigt werden. Immerhin ist unser Sohn viel zu früh auf die Welt gekommen. Der kleine Mann hat ein Viertel der Schwangerschaft ausgelassen. Die Zeit in der er am meisten hätte wachsen sollen, die Zeit in der ich die meiste Gelegenheit gehabt hätte ihn und seine Bewegungen zu spüren. Ich glaube, dass das eine Zeit gewesen wäre, in der wir noch einmal eine besondere Beziehung aufgebaut hätten. Und kaum war er auf der Welt, wurden wir auch schon voneinander getrennt. Während meine Vitalwerte direkt nach der Geburt noch überwacht wurden, verschwand unser Sohn schon in die Kinderintensivstation. Die ersten 16 Tage seines Lebens durften wir ihn nicht eigenständig aus seinem Inkubator nehmen und auch danach war er noch vier Wochen von uns getrennt. Egal wie viel wir ihn besucht haben, es war doch immer zu wenig. Und hat sich immer falsch angefühlt in der Krankenhausumgebung. Mein Wochenbett bestand darin, sich zwischen Krankenhaus und Zuhause aufzuteilen. Und auch danach haben wir mehr Zeit bei Ärzten verbracht als sich das irgendein Elternteil wünschen würde.
Also wird jemand mit so einer Geschichte in einer Studie widergespiegelt? Wahrscheinlich nicht. Aber es verunsichert, da man auch keine Angaben findet, ab wann man endlich ankommt. Zusätzlich zu den ganzen anderen Angaben, die man nicht spezifisch für Frühchen finden kann.

Momentan tue ich mich noch unglaublich schwer damit zu akzeptieren, dass mein Leben eine andere Geschwindigkeit hat. Es ist nicht, dass sich die Prioritäten verschoben haben. Ich hatte ja schon vorher das Privileg die Verantwortung für unsere Fellnasen übernehmen zu dürfen und mache das gerne. Oft schmerzt es mich momentan, dass die Beiden zurückstecken müssen weil Junior wieder einen Arzttermin hat und sie später zur Hunderunde raus kommen oder ich sie gerade nicht in den Garten lassen kann, weil Junior gestillt wird.
Was mir wirklich schwer fällt ist, dass alles so viel Vorlauf benötigt. Es scheint ewig zu dauern bis ich aus dem Haus komme. Umziehen, Jungs packen und los gibt es nicht mehr. Unser Sohn muss vorher versorgt werden, dann noch passend zum Wetter angezogen werden, wenn er sich voll spuckt umgezogen werden, in die Transportschale gezurrt, ins Auto getragen, eingeklinkt werden. Vor Ort muss der Kinderwagen ausgeladen, zusammengebaut, das Kind umgebettet werden und dann erst können wir los. ‚Mal eben bei der Post halten‘ oder ‚Kurz beim Drogeriemarkt reinspringen‘ gibt es nicht mehr. Es kommt mir alles so langwierig vor, dass ich alleine beim Gedanken daran schon keine Lust mehr habe. Diese Situation zerrt an meinen Nerven und ich erwische mich öfter als ich es zugeben möchte dabei, dass ich in diesen Momenten gereizt bin.
Seitdem ich das bemerkt habe, arbeite ich aktiv daran. Ich versuche mich von meinen Erwartungen zu lösen und Gedanken daran wie es früher war zur Seite zu schieben indem ich daran denke wie schön es ist, wenn wir denn endlich den für mich stressigen Teil hinter uns gelassen haben. Funktioniert das? Manchmal. Ich hoffe inständig, dass es eine Übungssache ist und mit der Zeit einfach besser wird.

Es wird schon alles kommen, wenn die Zeit reif ist. Ein bisschen Sorgen, wann das der Fall sein wird, mache ich mir trotzdem weiter. Juniors Entwicklung fällt aus der Rolle und wie es scheint, meine Reise zur Mutterschaft auch. Aber ich bin mir sicher, dass andere Mütter auch ihr Päckchen zu tragen haben und wir das alle über kurz oder lang meistern werden. Und bis dahin halte ich mich an meinem Mantra fest:

‚Es ist nur eine Phase‘.

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Marina Ochwald Administrator
Gründerin von Mr & Mrs Lifestyle

Hi, mein Name ist Marina. Ich bin Gründerin von Mr & Mrs Lifestyle und blogge hier auch regelmäßig. 

Wenn man mich nicht an der Arbeit findet, dann bin ich meistens in der Nähe eines Hundes anzutreffen. Wir haben selber zwei Fellnasen, Billy und Danny, aber auch sonst bin ich verrückt nach Hunden. Wenn die beiden also mal nicht mit uns unterwegs sind, zieht es mich immer magisch zu allen anderen Hunden hin. Ansonsten verbringe ich noch viel Zeit mit der Nase in Büchern. Ich lese für mein Leben gerne. Fast alles. Außer Bedienungsanleitungen und Historienromane. Die Anleitungen nicht weil sie meistens schlecht übersetzt sind und Historienromane nicht weil ich glaube, dass sie erfunden wurden um mich zu quälen. 

Falls ihr noch Fragen zu meiner Person habt, dürft ihr mir gerne eine Mail schreiben. Ich schreibe auch zurück. 

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