Renovierungstagebuch Tag 0 – unser Haus

Unter dem Titel Renovierungstagebuch wollen wir euch mitnehmen auf unserer Verschönerungsreise durch unser Haus. Hierbei steht der Tag aber nicht wirklich für einen Arbeitstag, da wir diese aus zeit- und planungstechnischen Gründen oft kürzer halten als einen tatsächlichen Arbeitstag. Bevor es los geht, stellen wir euch die alte Dame erst einmal vor.

2014 haben wir geheiratet und zeitgleich unser Haus gekauft. Für Stephan war die erste Zeit in unseren eigenen vier Wänden besonders seltsam, denn er hat hier schon einmal gelebt. Er ist nämlich in diesem Haus aufgewachsen. Um genau zu sein, befand sich unser Haus schon immer im Besitz seiner Familie. Sein Urgroßvater, Karl, war einer der Bauherren.

Unser Haus – Recherche

Karls Ordner mit Unterlagen aus den 50er Jahren
Foto: Mr & Mrs Lifestyle

Für diesen Artikel, habe ich mich ein wenig durch die Bauunterlagen des Hauses gewühlt um euch, und eigentlich auch mir selber, das Gebäude und seine Geschichte etwas näher bringen zu können. Dazu muss ich vorweg sagen, dass die Unterlagen nur teilweise chronologisch sortiert sind und jeder interessante Fakt direkt auch neue Fragen aufwirft. Obwohl ein guter Teil der Schriftstücke doppelt und dreifach abgeheftet ist (keine Ahnung warum), habe ich auf viele meiner Fragen leider keine Antworten gefunden. Und durch die Untiefen der Finanzierungsunterlagen habe ich mich nach einem ersten Versuch nicht mehr gewagt. Da wurde es mir dann doch zu kompliziert und speziell. Hinzu kommt die Angst, dass ich die teilweise pergamentdünnen Seiten beim Umblättern versehentlich zerreißen könnte.

Was ich gelernt habe, ist, dass für den Bau die Grundstücke, die sich schon mindestens seit dem Anfang der 1950er in Familienbesitz befanden, mit einigen Nachbargrundstücken getauscht wurden. Karl wohnte zu dieser Zeit mit seiner Frau Anna und seinem Schwiegervater am Ende unserer aktuellen Straße in einem Haus direkt auf der Ecke. Laut seinen Unterlagen, sollte das Haus abgerissen werden um einem Ausbau der Straße zu weichen, weswegen er in seinem Hinterhof ein neues Mehrfamilienhaus bauen wollte. Quasi als Ersatz. Warum dann aber seine Tochter Hannelore und sein Sohn Hans-Georg die Bauzeichnungen beim Architekten Theodor Hiesgen veranlasst haben und die ursprünglichen Bauherren waren, konnte ich nicht herausfinden. Ich vermute, dass es was mit dem Erbrecht zu tun hatte. Insgesamt wurde im April 1956 der Bauantrag für zwei Wohnhäuser mit jeweils fünf Parteien beantragt. Schon im November des gleichen Jahres stieg die bereits verheiratete Hannelore aus dem Projekt aus und Karl wurde der neue Bauherr für eines der Häuser.

Im Januar 1957 bekam das Bauvorhaben eine Genehmigung mit einer veranschlagten Bauzeit von 10 Monaten. In der darauffolgenden Zeit finden sich hauptsächlich Angebote von verschiedenen Handwerkern, die der Architekt eingeholt hat und Korrespondenz darüber, wer den Zuschlag bekommt. Interessant wird es noch einmal als es zum Thema Bergbauschäden kommt. Unsere Stadt hat durch Bergbauschäden sogar von ca. 1870 bis 1880 einen See mitten in der Oberhausener Innenstadt gehabt, der die komplette Stadtplanung lahm legte. Glücklicherweise konnte er durch eine Pumpstation und einen eigens angelegten Entwässerungskanal wieder trocken gelegt werden.
Erst habe ich nur interessiert zur Kenntnis genommen, dass Karl, der selber unter Tage arbeitete, ausdrücklich in seiner Korrespondenz angab, dass er nicht gewillt sei bei Bergbauschäden auf Forderungen zu verzichten. Leider war auf dem Papier nicht erkennbar an wen diese Information ging. Erst gegen Ende des Ordners befanden sich dann Dokumente, aus denen hervorgeht, dass in unserem Haus Streben verbaut wurden um solchen Schäden vorzubeugen. Und sie wurden von der Zeche bezahlt. Ich würde sagen, da hatte jemand seine Hausaufgaben gemacht und wusste ganz genau, wer diese Kosten übernehmen würde wenn er sich weigert auf finanzielle Forderungen zu verzichten.

Gut vorbereitet

Im Februar 1958, augenscheinlich hat die Bauzeit nicht ausgereicht, taucht dann eine Zustimmung für Fördermittel auf.

Ich liebe das: Hochachtungsvoll, Karl
Foto: Mr & Mrs Lifestyle

Das war das Dokumente, das meine Frage geklärt hat, warum Karl vom eigenen Haus auf einmal in ein Mehrparteienhaus wollte. Ich ging davon aus, dass er die Mieteinnahmen für seine Zukunft eingeplant hat. Selber war er weder kriegsbeschädigt, noch erlitt er Vertreibungsschaden (was mich sehr für ihn freut). Die Fördermittel, die ihm genehmigt wurden, galt für Baumaßnahmen mit mindestens vier Wohneinheiten für Sowjetzonenflüchtlinge und die Beseitigung von Notunterkünften. Also hat er vier Wohneinheiten für andere und die fünfte für sich selbst geschaffen. Ich gehe schwer davon aus, dass dieses Wissen schon in der Architektenplanung zwei Jahre zuvor bekannt war, auch wenn das nirgendwo in den Unterlagen vermerkt ist.

Jetzt galt es für die Bauherren die Häuser schnell fertig zu stellen, da das Darlehen nicht nur an die Zuweisung der Mieter durch die Stadt sondern auch an eine zeitliche Frist gebunden war. Für die gesamte Dauer des Darlehens war die Wohnung im Dachgeschoss nur an Notunterkunftsbewohner zu vermieten. Ob die anderen Wohnungen nach dem Erstbezug wieder frei gegeben waren, ist mir nicht bekannt.
Ab April 1959 fing die Stadt auch schon tatsächlich mit der Zuweisung der Wohnräume an verschiedene Mieter an. Dabei kam es auch immer mal wieder zu interessanten Briefwechseln, da Karl der Meinung war, dass eine siebenköpfige Familie schwer auf 60qm mit zwei Schlafzimmern wohnen könne. Man gab ihm recht.
Am 01.07.1959 waren die Wohneinheiten offiziell durch die Bauherren fertig gemeldet und die letzte Gebrauchsabnahme erfolgte am 17.08. des selben Jahres.

Unser Haus seit 1959

Seit der Fertigstellung 1959 hat unser Haus, beziehungsweise haben beide Häuser, so einiges erlebt. Da sie mit den kurzen Seiten direkt aneinander stehen, sind sie von aussen nicht immer als zwei Häuser zu erkennen sondern täuschen schon mal vor ein etwas lang geratenes Haus zu sein. Nach Hans-Georgs Tod gingen beide Häuser in den Besitz seines Sohnes, meines Schwiegervaters, über. Mittlerweile gehört Karls Haus uns. Die meisten Wohneinheiten wurden im Laufe der Jahrzehnte zusammengelegt und nur die Dachgeschosswohnung erfreut sich ihrer Unabhängigkeit. Das ursprüngliche Haus an der Ecke existiert übrigens immer noch. Ich bin mir nicht ganz sicher wie es seinen Abriss abwenden konnte aber heute wohnt dort eine der Töchter von Hannelore mit ihrem Mann.

So viel zu der Geschichte der alten Dame. In den 2010er Jahren wurde nicht mehr sehr viel gemacht aber jetzt wollen wir unserem Haus nach und nach eine Frischzellenkur angedeihen lassen. Mehr dazu werdet ihr in Zukunft in dieser Reihe lesen und sehen können.

  • My Articles
Marina Ochwald Administrator
Gründerin von Mr & Mrs Lifestyle

Hi, mein Name ist Marina. Ich bin Gründerin von Mr & Mrs Lifestyle und blogge hier auch regelmäßig. 

Wenn man mich nicht an der Arbeit findet, dann bin ich meistens in der Nähe eines Hundes anzutreffen. Wir haben selber zwei Fellnasen, Billy und Danny, aber auch sonst bin ich verrückt nach Hunden. Wenn die beiden also mal nicht mit uns unterwegs sind, zieht es mich immer magisch zu allen anderen Hunden hin. Ansonsten verbringe ich noch viel Zeit mit der Nase in Büchern. Ich lese für mein Leben gerne. Fast alles. Außer Bedienungsanleitungen und Historienromane. Die Anleitungen nicht weil sie meistens schlecht übersetzt sind und Historienromane nicht weil ich glaube, dass sie erfunden wurden um mich zu quälen. 

Falls ihr noch Fragen zu meiner Person habt, dürft ihr mir gerne eine Mail schreiben. Ich schreibe auch zurück. 

follow me
, , , ,
Vorheriger Beitrag
Kostenloser Versand
Nächster Beitrag
Einrichtungsstile: Shabby Chic

Related Posts

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Menü